Die Geschichte des Gebäudereiniger Handwerks

Reinigungsarbeiten gehörten sicherlich schon immer zu den Tätigkeiten des Menschen. Das Gebäudereiniger­ Handwerk kann sich allerdings weder von den so genannten "Wagenwäschern" ableiten, die angeblich nach dem30-jährigen Krieg in Norddeutschland auftraten und Fassadenreinigungsarbeiten anboten, noch stehen die Beschäftigten in der Tradition des Dienstpersonals vergangener Jahrhunderte.

Die Entstehung des Gebäudereiniger-Handwerks ist vielmehr eng mit der Industrialisierung Deutschlands verknüpft. So hat sich das Gebäudereini­ger-Handwerk aus den im 19. Jahrhundert entstandenen Glasreinigungsunternehmen entwickelt. Bis 1953 hieß das Handwerk noch "Glas- und Gebäudereiniger-Handwerk", wobei der Zusatz "Gebäudereiniger" erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhundert hinzukam. Im Folgenden wird die Entwicklung des Gebäudereiniger-Handwerks chronologisch dargestellt.

 

1878 Der Franzose Marius Moussy gründet in Berlin sein "Französisches Reinigungsinstitut" . Das Unternehmen beschäftigt sich ausschließlich mit der Glasreinigung. Ehemalige Mitarbeiter Moussys machen sich bald selbstständig und gründen in anderen Städten weitere Reinigungsinstitute.

1888 Die erste Fassadenreinigung wird in Frankfurt am Main mit Hilfe einer mechanischen Fahrleiter durchgeführt.

1901 Die Unternehmer gründen eine Berufsstandsorganisation, den "Verband der Reinigungs-Instituts-Unternehmer Deutschlands". Initiator ist der Göttinger Verleger Ernst Kelterborn, der im April 1901 die erste Fachzeitschrift "Internationales Centralblatt für Reinigungsinstitute und verwandte Geschäftszweige" herausgibt. In der Satzung sieht der Verband die Gründung von "Gauen und Ortsgruppen" vor - die Vorläufer der Landesinnungsverbände und Innungen. Einzelne Unternehmer fordern die Anerkennung der Reinigungstätigkeiten als Handwerk.

1914 - 1918 Fast alle männlichen Erwerbstätigen des Reinigungsgewer­bes werden zum Heer eingezogen oder zur Arbeit in rüstungswirtschaftlich wichtigen Unternehmen verpflichtet. An ihre Stelle treten die Frauen, die als Betriebsleiterinnen und Glasreinigerinnen arbeiten. Während des Krieges stellt der Verband seine Tätigkeiten ein.

1920 Im Südwesten wird der "Verband der Reinigungsinstituts­Unternehmer Süddeutschlands" , im Westen der "Westdeutsche Reinigungsunternehmerverband" gegründet. In Hannover wird die erste Innung für das Glasreinigergewerbe gegründet. Bis zum Beginn des "Dritten Reiches" entstehen weitere 381 Innungen wie Freie Innung Kiel 1926; Freie Innung Düsseldorf 1926; Freie Innung Stuttgart 1927.

1928 Clemens Kleine gibt das erste Fachbuch für das Gebäudereinigergewerbe heraus.

1929 Der "Reichsverband der Glas- und Gebäudereinigerinnungen" wird gegründet. Dem Verband gehören sechs Landesverbände an: Westdeutscher Reinigungsunternehmerverband, Verband der Reinigungsinstituts-Unternehmer Süddeutschlands, Norddeutschlands, Ostdeutschlands, Sachsens, Mitteldeutschlands. Als Vorsitzender wird der Düsseldorfer Reinigungsunternehmer Clemens Kleine gewählt.

Am 30. Januar 1933 übernehmen die Nationalsozialisten die Macht und ordnen das Handwerk durch die Einführung der Pflichtinnungen neu. Alle Handwerker sind verpflichtet, einer Innung beizutreten. Die Regierung gibt am 30. Juni 1934 ein Verzeichnis der Gewerbe heraus, für die diese Bestimmung gilt. Hier sind auch die Gebäudereiniger aufgeführt und damit im ganzen Reich als "Handwerker" anerkannt. Die Innungen werden "gleichgeschaltet", d. h. der Vorstand muss in seiner Mehrheit aus Mitgliedern der NSDAP (Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei) bestehen. Nach der reichsweiten Anerkennung als Handwerk wird der Reichsverband der Glas- und Gebäudereinigerinnungen aufgelöst.

1939 - 1945 Der Zweite Weltkrieg bringt für das Glas- und Gebäudereiniger - Handwerk erneut einen großen Rückschlag. Wieder werden die männlichen Erwerbstätigen zu einem großen Teil zu den Waffen gerufen oder müssen ihren Dienst in rüstungswirtschaftlich wichtigen Unternehmen versehen. Anders als während des Ersten Weltkrieges wird die Ersatzbeschäftigung von Frauen für Reinigungsarbeiten, die auf der öffentlichen Straße auszuführen waren, verboten. Zudem führt der Luftkrieg zur Zerstörung zahlreicher Gebäude. Viele Betriebe können deshalb ihre Tätigkeit während des Krieges nicht aufrecht erhalten.

Mit der Gründung zweier deutscher Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg verläuft die Entwicklung des Gebäudereiniger-Handwerks in der Deutschen Demokratischen Republik und in der Bundesrepublik Deutschland sehr unter­schiedlich. Während in der Bundesrepublik die Unternehmen vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren, können sich Privatunternehmen in der Deutschen Demokratischen Republik auf Grund der jede Eigeninitiative einschränken­den Steuergesetze kaum entwickeln.

Entwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik

Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland

Entwicklung nach der Wiedervereinigung

Fachbegriffe aus dem Bereich der Gebäudereinigung, Büroreinigung und Reinigungsservice

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